Ein Löwenherz

...kann auch ganz klein sein.

Kindergarten und Schule

Neben der Familie hat der Kindergarten vor allem aber die Schule den stärksten Einfluss auf die kognitive, psychische, emotionale und soziale Entwicklung eines Kindes. Bildung ist wichtig, damit ein Kind Fähigkeiten erlernen und sein Potenzial entfalten kann. Noch wichtiger ist das, wenn ein Kind krank ist. Aus diesem Grund spielen Kindergarten- und Schulpädagogen eine Schlüsselrolle für die gesunde Entwicklung herzkranker Kinder.

Damit Pädagogen ihre Aufgabe bestmöglich erfüllen können, sind zwei Dinge entscheidend:

  • sie müssen über den Gesundheitszustand des Kindes genau Bescheid wissen. Hilfreich kann ein gemeinsam erstellter Notfallplan sein, mit Info der Erkrankung, wichtige Telefonnummern, was im „Fall der Fälle“ zu tun ist, …
  • Familie, Kindergarten/Schule und Ärzte sollten in engem Kontakt stehen

Werden Pädagogen richtig informiert, bringt das viele Vorteile:

  • Sie haben keine Berührungsängste mit der Krankheit/der Situation und müssen sich keine Sorgen machen, dass sie das Kind im Kindergarten/im Unterricht falsch behandeln
  • Sie können die Familie und Ärzte unterstützen. Denn durch den täglichen Kontakt mit dem Kind fallen ihnen gesundheitliche Probleme sofort auf
  • Sie sind in der Lage, Mitschüler über den Herzfehler zu informieren, falls dies zum Thema in der Gruppe/in der Klasse werden könnte.Wichtig ist, dass die Pädagogen den Kindern die Angst nehmen, die aus Unwissen entsteht. Oft ist das der Grund, warum ein herzkrankes Kind aus dem Gruppe/aus dem Klassenverband ausgegrenzt wird. Pädagogen sollten nach Möglichkeit alle Fragen rund um die Krankheitssituation beantworten können und dabei eine positive Einstellung vermitteln.

Istock 671260158Nichtbeschnitten

Die meisten herzkranken Kinder können ein weitestgehend normales Leben führen. Für eine Sonderbehandlung besteht also kein Anlass.

Einiges muss jedoch beachtet werden, damit der Schulalltag so normal als möglich verläuft. Wie diese Anpassungen aussehen, hängt von drei Faktoren ab:

  • die Häufigkeit und Dauer von Klinikaufenthalten
  • Ob das Kind regelmäßig Medikamente nehmen muss
  • Ob es körperliche oder neurologische Einschränkungen gibt.

Krankenhausaufenthalt und Schule (Unter-Untermenü)

Für chronisch kranke Kinder ist der Schulbesuch wichtig, damit sie nicht isoliert aufwachsen. Gleichzeitig werden so die Weichen für die soziale Integration im Erwachsenenalter

Tatsache ist aber, dass herzkranke Kinder immer wieder einmal ins Krankenhaus müssen – sei es für eine Kontrolluntersuchung oder für eine Operation. Dadurch bleiben sie öfter dem Unterricht fern als andere Schüler. Damit sich Fehlzeiten nicht nachteilig auswirken und sich die Kinder nach einer Operation wieder in der Schule und im Klassenverband zurechtfinden, muss einiges beachtet werden. Wichtig ist, dass die Pädagogen genau informiert werden – zum Beispiel wie oft das Kind ins Krankenhaus muss, wann ein Klinikaufenthalt ansteht und wie lange dieser ungefähr dauern wird. Wenn es aus ärztlicher Sicht gestattet ist, sollte das Kind so kurz wie möglich der Schule fernbleiben. Ist ein längerer Klinikaufenthalt unvermeidbar und lässt es das Befinden des Kindes zu, sollte der Unterricht in einem Klassenzimmer im Krankenhaus fortgesetzt werden

Unterricht im Krankenhaus

Während eines Klinikaufenthaltes übernimmt der Pädagoge wichtige Aufgaben: Er sollte bestmöglich dafür sorgen, dass das Kind nicht aus der Klassengemeinschaft ausgegrenzt wird und zum Beispiel den Kontakt zu Freunden und anderen Pädagogen fördern. Der Pädagoge sollte dafür sorgen, dass das Kind weiterlernen kann und seine Leistungen beurteilt werden.

Pädagogen, die im Krankenhaus arbeiten, sollten an den Lerninhalten anknüpfen, die zuletzt in der Schule durchgenommen wurden. Der direkte, ständige Austausch mit Pädagogen aus der Schule ist entscheidend, um den Lehrplan den Umständen entsprechend anzupassen. Durch einen Unterrichtsraum im Krankenhaus kann ein möglichst normales Leben für das Kind aufrechterhalten werden. Das Zusammensein und Spielen mit anderen Kindern ist ebenfalls wichtig, um Anspannungen abzubauen.

Online Teacher

Kann das Kind nach einem Klinikaufenthalt nicht sofort wieder in die Schule gehen, sollte der Unterricht dennoch fortgesetzt werden. Eine Möglichkeit sind der Fernunterricht oder Häuslicher Unterricht. Hierbei muss die Familie eingebunden werden.

Regelmäßige Gespräche sind wichtig

Jedes Kind hat das Recht darauf, seinen Schulbesuch – so gut es geht – fortzusetzen oder im Krankenhaus bzw. Zuhause unterrichtet zu werden. Dafür ist entscheidend, dass alle gut zusammenarbeiten, die für die Entwicklung des Kindes eine Rolle spielen. Familie, Ärzte, Pflegepersonal, Freunde und alle Betroffenen sollten verstehen, wie wichtig die schulische Ausbildung für ein herzkrankes Kind ist und alle verfügbaren Ressourcen bereitstellen. Dazu gehört auch, dass sich alle Beteiligten regelmäßig austauschen und das Kind miteinbeziehen, damit es seine Bedürfnisse mitteilen kann.

Nicht nur während des normalen Schulalltags sind Gespräche zwischen Familie und Pädagogen wichtig. Sie sollten auch in der besonderen Situation des Krankenhausaufenthalts den Kontakt halten, damit sich das Kind nach dem Krankenhaus wieder in der Schule zurechtfindet. Was ein Kind während seines Krankenhausaufenthalts körperlich oder psychisch erfahren hat, kann sein Verhalten in der Schule beeinflussen. Pädagogen müssen über Änderungen informiert werden, die Folgen für die soziale Integration haben können – wie körperliche oder charakterliche Veränderungen, Appetitverlust, Umstellung auf neue Medikamente, häufigere Klinikaufenthalte, Gewichtszunahme oder -abnahme oder beispielsweise die Implantation eines Herzschrittmachers.

Rückkehr in die Schule

Wichtig ist, dass die Kinder schnell zum normalen Alltag zurückkehren. Dafür müssen sie sich sicher sein können, dass sie in der Schule und von ihren Klassenkameraden genauso wie vorher und wie alle anderen behandelt werden. Wichtig ist, dass sie so akzeptiert werden, wie sie sind – trotz eventueller körperlicher Veränderungen. Aus Angst vor Ablehnung wollen herzkranke Kinder manchmal nicht mehr ihre Freunde sehen. Dahinter stecken oft Sorgen wegen ihres Aussehens oder Ängste, weil sie so lange weg gewesen sind. Einige Kinder reagieren mit Rückzug oder sind besonders schüchtern, um Körperkontakt beim Spielen oder Zusammensein mit Freunden zu vermeiden. Das gilt besonders für Kinder, denen der Arzt körperliche Betätigung oder Sport untersagt hat. Auf solche Situationen sollten Pädagogen achten. Manche Kinder wirken vielleicht selbstsicher, sind jedoch insgeheim unsicher, fühlen sich zerbrechlich oder leicht verletzbar. Wird dies nicht rechtzeitig erkannt, kann es zu Depressionen führen.

Wenn die Kinder den Kontakt zu ihren Freunden gehalten haben und mit dem Lerntempo mithalten können, ist die Reintegration in den Klassenverband wesentlich einfacher. Die Rückkehr des Kindes könnte zum Beispiel gefeiert werden. Hier ist die Kreativität des Pädagogen gefordert. Er kann die Situation positiv beeinflussen, damit das Kind schnellstmöglich in den Schulalltag zurückfindet. Wie die Rückkehr in die Klassengemeinschaft genau angegangen wird, besprechen Pädagogen, Eltern und Kind am besten gemeinsam. Dabei sollte ebenfalls besprochen werden, was die Mitschüler über die Krankheit und Behandlung des Kindes erfahren sollen.

In den Wochen und Monaten nach der Rückkehr sollten Pädagogen genau auf eventuelle Probleme achten. Nach Einbrüchen bei der schulischen Leistung kann es zu aggressivem Verhalten, Rückzug, verstärkter Angst oder sozialer Isolation kommen.

Lernverhalten beobachten

Stock Photo Nice School Pedagogue Talking With Little Boy Having Problems With Behavior 415310626

Die wichtigste Aufgabe des Pädagogen ist es, dem Kind Wissen zu vermitteln. Übervorsichtiges Verhalten sollte vermieden werden. Sonderbehandlungen geben dem Kind das Gefühl, anders zu sein. Sie sind eine Form der Diskriminierung. Die Unterstützung, die ein herzkrankes Kind vom Pädagogen erhält, darf nicht zu einer Bevorzugung gegenüber den Mitschülern führen.
Bei Anpassungs- oder Lernproblemen sollte – wenn möglich – der Schulpsychologe (oder externer Kinder-Schulpsychologe) hinzugezogen werden.

Hat ein herzkrankes Kind schulische Probleme, sind manchmal eine Anpassung des Lehrplans oder Förderunterricht notwendig. Der Pädagoge beurteilt aus pädagogischer Sicht, ob sich das Kind richtig entwickelt oder Sprachprobleme bestehen, für die zusätzliche Hilfe in Anspruch genommen werden muss.

Pädagoge und Eltern sollten die altersgerechte Entwicklung des Kindes genau im Auge behalten. Bis zum Alter von vier Jahren muss auf Schwierigkeiten bei der Artikulation, Veränderung oder Weglassen von Lauten oder misslungene Lautnachbildungen geachtet werden.

Damit später keine Probleme beim Schreiben auftreten, sollten Schwierigkeiten beim Greifen von Gegenständen sowie motorische Probleme – insbesondere der Hände – genau beobachtet werden. Bei Kindern ab vier Jahren ist eine objektive Beurteilung und Diagnose nur dann möglich, wenn das Kind mitarbeitet. Bei Kindern zwischen vier und 16 Jahren sollten sich Untersuchung, Diagnose und Therapie an den Lern- und Verhaltensproblemen orientieren, die auf Sprachschwierigkeiten zurückzuführen sind.

Stock Photo Child S Hands Buliding A Cube With Gaming Pieces 3504041

Aufmerksamkeit

Ab dem Alter von 16 Jahren müssen neben der schulischen Leistung auch Aufmerksamkeits-, Konzentrations- und Motivationsprobleme beobachtet werden. In der Jugend besteht das höchste Risiko negativer Einflüsse auf die Persönlichkeit des Kindes.

Der Pädagoge sollte sich in dieser Phase grundsätzlich auf folgende Schwerpunkte konzentrieren:

  • Besondere Interessengebiete und Fähigkeiten des Kindes
  • Festigung der sozialen Kompetenz
  • Techniken zur Angstreduzierung
  • Techniken zur Selbstbeherrschung
  • Lerntechniken
  • Treffen von Entscheidungen und Lösen von Problemen
  • Information der Eltern über das Verhalten von Jugendlichen

Pädagogen und Familie sollten diese Aspekte in dieser Lebensphase des Kindes berücksichtigen. Wichtig ist, dass das Kind seine Krankheit kennt und lernt, diese zu akzeptieren. Denn gut informiert, können besser Entscheidungen bei Problemen mit Drogen, Alkohol und sexuellen Beziehungen getroffen werden, die für die Gesundheit und soziale Situation des Kindes entscheidend sind.

Aufklärungsarbeit in Kiga und Schule (Schulbesuch Eine ganz besondere Herzstunde)

Herzkind in Kindergarten & Schule
Schulbesuche: Eine ganz besondere Herzstunde

Ein herzkrankes bzw. chronisch krankes Kind soll zusammen mit so genannten
„normalen, gesunden Kindern“ in den Kindergarten bzw. eingeschult | in eine bestehende Klasse aufgenommen werden.

Daraus entstehen sowohl für die Eltern, als auch für die Pädagogen die verschiedensten Fragen:

  • Was muss man beim Kindergartenbesuch beachten?
  • Was muss man beim Schulbesuch beachten?
  • Kann ein Herzkind beim Turnunterricht mitmachen?
  • Das Herzkind nimmt ein blutverdünnendes Medikament, worauf ist hier zu achten?
  • Was ist ein „Notfallplan“ für die Pädagogen?
  • Wie gehe ich als Pädagoge mit dem „Anderssein“ in der Gruppen- und Klassengemeinschaft um?
  • Ist ein Herzkind automatisch ein Integrationskind?

Diesen exemplarischen Fragen könnten sicher zahlreiche weitere hinzugefügt werden.

Dr. Raphael Oberhuber (Klinischer- und Gesundheitspsychologe und Lehrer) und das Team von Herzkinder Österreich geben Herzfamilien und Pädagogen Antworten dazu.

Das Ziel dieser Aufklärungsarbeit in unterschiedlichen Einrichtungen wie Kindergarten und Schule ist es, den Pädagogen sowie den Kindergarten-/Schulkollegen auf altersgerechte und kompetente Weise zu erklären, welchen körperlichen und seelischen Belastungen das Herzkind in so einer Situation ausgesetzt war/ist.

Wir möchten dadurch sowohl bei anderen Kindern als auch bei Pädagogen Verständnis schaffen und mithelfen, dass das Herzkind in die Gemeinschaft inkludiert wird.

Auf spielerische Weise werden die Kinder verkleidet und erleben in einer Präsentation den Ablauf eines Krankenhausaufenthaltes, bekommen einen Einblick in diverse Untersuchungen und lernen die Grundlagen des Herzkreislaufes. Dadurch schaffen wir ein besseres Verständnis für ein herzkrankes Kind in der Gemeinschaft.

Ansprechpartner

Beatrix Buchinger

Beatrix Baumgartner

+43 664 88 432 806

b.buchinger@herzkinder.at

Fotogalerie

  • 5 Fotos anzeigen (kommen von Astrid via wetransfer)Mehr Infos: verknüpfen mit News – Herzkind in Kindergarten und Schule (neu)

Videoclip

  • 2 min (folgt erst – ist in Produktion)