Fass dir ein Herz

...denn Gesundheit ist bei uns eine Herzenssache.

Sport in Unterricht & Freizeit

Unterricht

Wer als Sportpädagoge ein Kind mit einem angeborenen Herzfehler in der Klasse hat, muss wissen, wie viel sportliche Aktivität dem Kind zugemutet werden kann. Generell gilt: Kinder mit einem angeborenen Herzfehler sind körperlich nicht so leistungsfähig wie andere Schüler im gleichen Alter. Wie viel Bewegung für ein Kind angemessen ist, muss der Sportlehrer mit den Eltern bzw dem behandelnden Kinderkardiologen klären. Der Arzt kann abschätzen, welche körperliche Aktivitäten in Frage kommen und wovon abzuraten ist. Wichtig ist auch, dass Lehrer über die körperlichen Möglichkeiten des Kindes, Schwankungen beim Blutdruck oder EKG – insbesondere Herzrhythmusstörungen – Bescheid wissen.

Es ist wichtig, dass sich herzkranke Kinder trotz ihrer körperlichen Einschränkungen als Teil der Klassengemeinschaft fühlen. Der Pädagoge sollte deshalb Aktivitäten auswählen, die für sie geeignet sind. Einiges, was für den Sportunterricht auf dem Lehrplan steht, tut herzkranken Kindern richtig gut – nicht nur aus körperlichen, sondern auch sozialen Gründen. Zum Beispiel haben Koordinationsübungen, künstlerischer Ausdruck oder psychomotorische Übungen einen äußerst positiven Effekt. Nach einer Operation wird der Kinderkardiologe bestimmte körperliche Übungen empfehlen. Diese sind neben der richtigen Medikation und einer bestimmten Ernährung wichtig, damit das Kind schnell wieder zu Kräften kommt.

Bei starken körperlichen Einschränkungen kann ein herzkrankes Kind auch als Assistent des Lehrers in den Unterricht eingebunden werden. Das Kind darf sich dabei nicht ausgeschlossen vorkommen und spüren, dass es eine wichtige Rolle in der Klasse spielt.

Rennen oder Laufen über eine längere Zeit ist für herzkranke Kinder nicht empfehlenswert. Verglichen mit ihren Klassenkameraden sind sie körperlich weniger leistungsfähig und haben eine geringere Lungenkapazität.

Besonders bei niedrigen Temperaturen sollte von körperlichen Aktivitäten abgesehen werden, weil sich der Körper beim Laufen aufheizt. Findet der Unterricht im Freien statt, sollte ihnen erlaubt werden, sich im Warmen aufzuhalten.

Viele Pädagogen plagt der Gedanke, dass ein herzkrankes Kind im Unterricht ohnmächtig werden könnte. Ohnmachtsanfälle sind jedoch selten. Einige Kinder haben einen sehr niedrigen Puls, was das Risiko einer Ohnmacht erhöht. Wird das Kind ohnmächtig, muss es auf den Boden gelegt oder ins Sitzen gebracht werden – je nachdem, welche Position bequemer ist. Der enge Austausch zwischen Pädagoge, Eltern und Arzt ist wichtig, denn so wissen alle Beteiligten, was in welcher Situation zu tun ist.    

Freizeit

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In den allgemeinen österreichischen Empfehlungen für körperliche Aktivität für Kinder steht: „Bei Kindern sollte die sportliche Aktivität etwa 60 Minuten pro Tag betragen. Dazu sollte etwa 3-mal muskel- und knochenstärkendes Training vollzogen werden und wenn möglich noch sportliche Betätigung im Bereich Koordination und Beweglichkeit.“ Doch wie sieht das für Kinder mit angeborenen Herzfehlern aus?

Sowohl für die Eltern, betreuenden Pädagogen aber auch behandelnden Ärzten entstehen bei Sport für Kinder mit angeborenen Herzfehlern die verschiedensten Fragen!

Vorweg gleich das Wichtigste: Die Aussage: „Sport & Bewegung sind gesund für Kinder!“ gilt auch oder vielmehr ganz besonders für Kinder mit angeborenen Herzfehlern.

Es gibt nur wenige Studien, die sich dem Thema Sport bei Kindern mit angeborenen Herzfehlern annehmen. Im Allgemeinen zeigen diese wenigen Arbeiten aber ohne Ausnahme nur positive Wirkungen sowohl auf die psychomotorische Entwicklung als auch auf die körperliche Belastbarkeit der Kinder.

Leider werden Kinder mit Herzerkrankungen sehr oft zu Unrecht aus den verschiedensten Gründen von körperlichen Belastungen, Schulsport und auch von der Teilnahme an verschiedenen sportlichen Aktivitäten ganz oder teilweise ausgeschlossen. In einigen Fällen kann es natürlich berechtigte, medizinisch indizierte Beschränkungen geben - aber insbesondere auch dann ist es wichtig, darauf zu verweisen, dass Sportverbot nicht gleichbedeutend mit Bewegungsverbot ist und somit ebenso hier gilt: „Bewegung ist gesund“ !

In den letzten Jahren wurden genügend Studien veröffentlich, die klar zeigen, dass in unserer hochindustrialisierten Welt neben den Volkserkrankungen wie Bluthochdruck, Blutzucker und Cholesterin der Bewegungsmangel der neue „Killer Nr. 1“ geworden ist. Bewegungsmangel stellt ein großes kardiovaskuläres Risiko dar. Außerdem ist Bewegung und Sport bei Kindern auch wichtig für die psychische, soziale und neuromotorische Entwicklung!

Es ist Tatsache, dass sich unsere Kinder viel zu wenig bewegen, und dies gilt leider auch in besonderem Maße für Kinder mit angeborenen Herzfehlern. Für alle Kinder gilt ohne Einschränkung daher als wichtigste Maßnahme: Weniger Fernsehen & Computer spielen: Eine Reduzierung der „ Screentime“ (= Zeit vor dem Fernseher, Computer, Tablett) vermindert das Risiko für die Entstehung von Übergewicht.

Mein Kind hat nun einen angeborenen Herzfehler – darf mein Kind nun konkret überhaupt Sport betreiben?

Das Spektrum der unterschiedlichen Herzfehler sowie insbesondere der Schweregrad ein und desselben Herzfehlers kann sehr variabel sein. Außerdem existieren derzeit eigentlich nur Richtlinien für Leistungssport bei Erwachsenen. Körperliche Aktivitäten in den verschiedenen Altersgruppen sind sehr vielschichtig und unterschiedlich: Sie reichen vom Babyschwimmen, Kinderturnen, Freizeitsport über Schulsport bis hin zum leistungsorientierten Wettkampfsport.

Auch können Umweltbedingungen (Hitze, Kälte, Wind) die körperliche Belastung bei Sport deutlich beeinflussen. Dementsprechend können somit allgemeine Richtlinien & Empfehlungen nur als Orientierungshilfe angeboten werden und ersetzen auf keinen Fall das individuelle Beratungsgespräch beim behandelnden Kinderkardiologen.

Im Allgemeinen kann man aber sagen:

  • Bei komplett korrigierten Herzfehlern, korrigierten Herzfehler mit nur geringen Restbefunde (frühestens 3-6 Monate postoperativ), oder bei primär nur geringen- vom Normalbefund abweichenden - nicht operationsbedürftigen Auffälligkeiten ist Sport uneingeschränkt möglich.
  • Bei höhergradigen Einschränkungen der Ventrikelfunktion, höhergradigen Klappenengen oder Klappenundichtheiten sollte keine maximale Belastung erfolgen.
  • Bei re-operationsbedürftigen Befunden, nicht korrigierbaren schweren Herzerkrankungen, schwerer pulmonaler Hypertonie sollte allenfalls nur eine geringe bis gar keine sportliche Belastung erfolgen.

Wenn Ja – Welche Sportarten darf mein Kind mit welchem angeborenen Herzfehler ausüben?

Man unterscheidet im Groben unter dynamischen und statischen Sportarten. Bei einer dynamischen Bewegung kommt es zu einem wiederholten An- und Entspannen des Muskels mit nur relativ geringer Kontraktionskraft. Ein Beispiel hierfür wäre das Laufen. Im Gegensatz dazu kommt es bei statischer Belastung - wie zum Beispiel beim Gewichte-Stemmen - zu einer sehr hohen Kraftaufwendung mit einer deutlichen intramuskulären Druckerhöhung meist auch gemeinsam mit einer deutlichen Blutdruckerhöhung.

Bei jeder Sportart, kann sowohl die dynamische als auch die statische Belastungskomponente in 3 unterschiedliche Belastungsgrade eingeteilt werden. (siehe Tabelle im Anhang). Im Allgemeinen sind dynamische Belastungen statischen Vorzuziehen. Insbesondere bei Aortenklappenerkrankungen, Aortenisthmusstenosen, Erweiterungen (Aneurysma) der Aorta sowie bei angeborenen Bindegewebserkrankungen (z.B. Marfan-Syndrom) sollten große statische Belastungen vermieden werden.

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Darf mein Kind auf den Skikurs mitfahren oder am Schwimmtraining teilnehmen?

Wenn keine wesentliche sportliche Restriktion notwendig ist, kann prinzipiell am Skikurs oder Schwimmtraining teilgenommen werden. Schwimmen sollte bei Herzfehlern die zu kurzfristigen Verlust des Bewusstseins führen könnten, nur unter entsprechender Aufsicht erfolgen.

Wie groß ist das Risiko für einen plötzlichen Herztod bei Sport für diese Kinder?

Das Risiko für einen plötzlichen Herztod bei angeborenen Herzfehlern bei Sport wird häufig auch von Ärzten zu hoch geschätzt. Erst kürzlich wurde eine Studie aus Norwegen publiziert, bei der über einen Beobachtungszeitraum von 15 Jahren im Rahmen von Sport kein einziges Kind mit angeborenem Herzfehler an einem plötzlichen Herztod verstorben ist.

Was muss bei Sport bei Kindern mit angeborenen Herzfehlern beachtet werden und welche Gefahren gibt es für Kinder mit angeborenen Herzfehlern bei Sport?

Kinder mit Herzfehler, die zu Synkopen (Rhythmusstörung, schwere Aortenklappenstenose, ...) führen können, sollten keine Sportarten, bei denen ein kurzfristiger Bewusstseinsverlust ein Risiko darstellt ausüben (z.B. Schwimmen, Klettern).

Weiters kann es sein, dass eine Blutverdünnung mit Marcoumar notwendig ist. Hier sollten Kontaktsportarten und Sportarten mit großem Verletzungsrisiko vermieden werden.

Im Fall von implantierten Schrittmachern, sollten ebenfalls möglich keine Kontaktsportarten ausgeübt werden. Bei endovenösen Systemen sollten auch Sportarten bei denen es zu einer besonderen Belastung der Arme (wie Klettern oder Tennis) kommt vermieden werden.

FAZIT:

Zusammenfassend soll nochmals festgehalten werden: SPORT & BEWEGUNG sind besonders für Kinder mit angeborenen Herzfehlern sehr wichtig. Diesem Thema wird leider im Allgemeinen häufig zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Fragen bzgl. sportlicher Betätigung von Kindern mit angeborenen Herzfehlern gehören stets mit ihrem behandelnden Kinderkardiologen besprochen.

Finde deinen eigenen Weg

Tabelle

Probiere verschiedene Sportarten aus, um herauszufinden, welche dir am meisten Spaß macht. Einige Menschen mögen Hallensportarten mehr, andere bewegen sich lieber im Freien.

Wenn du bemerkst, dass Sport dir gut tut, und du Sportarten gefunden hast, die du magst und bei denen du dich wohlfühlst, wirst du noch mehr Spaß am Sport bekommen und ihn leicht in deinen Alltag einbauen können.

ANMERKUNG: Gruppe IA bedeutet somit geringe statische und geringe dynamische Belastung. Gruppe III C wäre sehr hohe statische und sehr hohe dynamische Belastung

(Quelle: Herzkinder & Sport, OA Dr. Christoph Prandstetter, Kinder-Herz-Zentrum Linz)